header.jpg

1894-1940

Vor mehr als hundert Jahren zählte Zotzenbach etwa 850 Einwohner und war von einem landwirtschaftlichen Charakter geprägt. Die meisten Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt auf den hiesigen kleineren und größeren Bauernhöfen als Knechte und Mägde. Wer auf dem Land keinen Tagelohn fand, mußte in die Stadt gehen, wo die ersten Fabriken entstanden, um dort sein täglich Brot zu verdienen. Ab dem 1. Juli 1895 konnte man mit der Eisenbahn nach Weinheim fahren, nachdem am 29. Juni 1895 die landespolizeiliche Abnahme der Eisenbahnstrecke erfolgt war.

Außer einigen kleinen handwerklichen Betrieben, wie Schmiede, Wagner, Tüncher, Schuhmacher, Mahlmühlen und Bäckereien, gab es damals in unserem Dorf schon (noch) sieben Gastwirtschaften. Seit dem Jahre 1826 hat Zotzenbach eine eigene Schule mit einem festangestellten Lehrer. Die evangelische Kirche wurde 1875 errichtet. Seit dieser Zeit bildet Zotzenbach mit Unter-Mengelbach und einem Gehöft aus Münschbach ein eigenes Kirchspiel.

Der Brandschutz wurde damals von einer Pflichtfeuerwehr wahrgenommen. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zotzenbach erfolgte im Jahre 1894. Letzter Kommandant der Pflichtfeuerwehr und erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war Georg Michael Schütz V. (Germaniawirt).

Ausgerüstet war die Wehr zunächst mit einer vierrädrigen Handdruckpumpe und zwei kleinen zweirädrigen Druckpumpen, denen das Löschwasser zugetragen werden mußte. Dazu gehörte noch die Steigerausrüstung. Einem alten Protokoll zufolge wurde am 12. April 1896 die endgültige Fertigstellung der Ausrüstung für 45 Mann gemeldet.

Bezeichnend ist, daß man zu damaliger Zeit noch je einen Feuerläufer nach Rimbach und Weiher und einen Feuerreiter nach Mörlenbach vorgesehen hatte. Dann gab es noch den Stürmer, der im Brandfalle die Glocken zu läuten hatte. Die Wasserzubringer, Staumannschaften und Ordnungsmannschaften usw. waren der Pflichtfeuerwehr entnommen.

Nach 6jähriger Amtszeit als Kommandant legte Schütz sein Amt nieder, weil viele ältere Wehrmänner nach 5jähriger Dienstzeit ausgetreten waren.

Als neuer Kommandant wurde am 25. März 1901 Michael Pfeifer (Opa von Bäckermeister Peter Pfeifer, Schulstraße) gewählt. Am 10. März 1904 beschloß der Gemeinderat die Anschaffung einer vierrädrigen Saug- und Druckpumpe mit 120 m Schlauch. Die Pumpe wurde am 21. September des gleichen Jahres an die Wehr übergeben. Der Anschaffungspreis lag bei 1500 Mark. Hierzu gewährte die Brandversicherungskammer Darmstadt eine Beihilfe von 750 Mark.

Alte Schriftwechsel belegen, daß die in den Folgejahren angeschafften Ausrüstungsgegenstände immer wieder von der Großherzoglichen Brandversicherungskammer bezuschußt wurden.

Am 6. Juni 1906 wurde Adam Bangert V. (Opa von Walter Bangert) vom Herzoglichen Kreisamt in Heppenheim zum Kommandanten verpflichtet und vereidigt.

Im Jahre 1909 wurde das erste Zotzenbacher Wasserwerk im Waldstück "Welseck" (Die korrekte offizielle Gewannbezeichnung lautet "Hecke im Willes") errichtet. Das Fassungsvermögen des Hochbehälters betrug 120 m3. Etwa die Hälfte hiervon war als Brandreserve vorgesehen. Gespeist wurde dieser Hochbehälter von mehreren Quellen aus dem östlich hiervon gelegenen Gewann "Finsterklingen".

Die Errichtung dieses Hochbehälters war die Voraussetzung für den Bau der Gemeindewasserleitung im Jahre 1910. Nun konnte ein Hydrantenwagen angeschafft werden, was ein wesentlicher Fortschritt in der Brandbekämpfung bedeutete.

Die Verpflichtung und Vereidigung von Karl Schäfer (Opa von Liselotte Lannert) zum Kommandanten erfolgte am 18. März 1914 vor dem Großherzoglichen Kreisamt in Heppenheim.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde Karl Schäfer im September 1919 von Karl Gärtner als Kommandant abgelöst. Im Jahre 1925 wurde der Schlauchtrockenturm an der heutigen Schule fertiggestellt. Dieser ist in den sechziger Jahren der Schulerweiterung zum Opfer gefallen. Karl Gärtner blieb nahezu zwölf Jahre im Amt. In seiner Amtszeit erfolgte im Jahre 1930 die Bannerweihe.

Am 22. April 1931 wurde Nikolaus Bickel (Onkel von Wilhelm Bickel jun., Hauptstraße) auf das Kreisamt nach Heppenheim geladen. Er wurde nach vorheriger Eidesbelehrung nach folgender Eidesformel zum 1. Feuerwehrkommandanten von Zotzenbach verpflichtet: "Sie sollen geloben, Ihre Pflicht treu und gewissenhaft zu üben, Ihre Obliegenheiten ohne Ansehen der Person nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen, das Amtsgeheimnis zu wahren und Gesetz und Dienstanweisung getreulich zu befolgen."

Der Bevölkerung ist bekannt, daß einmal im Jahr eine Inspektionsübung durchgeführt wird. Dabei wird von vorgesetzter Dienststelle geprüft, ob die feuerwehrtechnischen Geräte sachgemäß gepflegt werden, ob die Aktiven damit umgehen können und wie deren theoretischer Ausbildungsstand ist. In nahezu ähnlicher Weise wurde vor bereits mehr als 60 Jahren verfahren. So bescheinigte der seinerzeitige Kreisfeuerwehrinspektor mit damaligem Sitz in Birkenau am 27. Juni 1932: "Die Geräte sind in Ordnung und die Ausbildung ist gut." Er bezog sich dabei auf die am Vortag absolvierte außerordentliche Übung der Feuerwehr in Zotzenbach.

1938 wurden offenbar eine Einstellspritze, Trage, Verteiler und zwei Handschläuche angeschafft. Darauf deutet eine Beitragsbewilligung der Brandversicherung hin.

Der Feuerwehrkommandant Nikolaus Bickel war zeitweise gleichzeitig Bürgermeister von Zotzenbach. Er trat vom Amt des Feuerwehrkommandanten im September 1939 zurück, nachdem er zuvor als Bürgermeister beurlaubt worden war.